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Deutscher Journalisten-Verband Gesellschaft für Bild und Vortrag e.V.
 

Januar 2005

Ja! Gut?

 

 

portart: Beliebig.  Reporter zum Sportler: "Wie sind Sie mit Ihrer heutigen Leistung zufrieden?"  Antwort: "Ja gut, ich …"

Ja gut.  Kaum hat sich in der Branche das immer gern genommene "Also ich sag mal" (oder durch Uwe Seeler hanseatisch beeindruckend verbessert zu: "Also ich sach ma") bis in den letzten Winkel herumgesprochen, da kommt mit "Ja gut ..." bereits ein neuer sprachlicher Höhepunkt daher.  Ja gut, das fällt auf in diesen sprachlosen Zeiten.  Wir sollten Verständnis haben, denn für viele ausgepumpte Sportler gilt insbesondere im Interview nach dem körperlichen Einsatz die grundsätzliche Frage: Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?
 

önnen wir also den Gefragten die kleine Denkpause, die das Füllsel ermöglicht.  Schliesslich wird der sprachliche Erguss danach bestimmt präzise, inhaltvoll und eloquent.  Ja gut, nicht immer, aber in jedem Fall beginnt er wenigstens positiv: Kein bockeliges "Aber ..." leitet Widerworte ein, kein zögerlich-passives "Hmm ..." lässt uns ungeduldig werden – nein, ein enthusiastisches "Ja" verspricht eine positive Analyse!

"Was haben Sie sich für den morgigen Wettkampf vorgenommen?"  "Ja gut, ich will ordentliche Sprünge abliefern."  Ich bin beeindruckt.  Da erschliessen sich neue Horizonte: Wer hätte vermutet, dass ein Skispringer solche hochgesteckten Ziele hat?  Ordentliche Sprünge – alle Achtung, das nenne ich eine Information, für die ich meine GEZ-Beiträge gerne überweise!

Ach, das war im Prívatfernsehen?  Ja gut, dann schaue ich eben öfter mal einen Werbeblock als Finanzierungshilfe für diese wertvolle Einsicht.
 

portler sind durch ihre Medienpräsenz Trendsetter.  So hat sich die "Ich sach ma"-Manie auf breiter Front in allen Lebensbereichen durchgesetzt.  Menschen, die viel sagen, aber wenig mitzuteilen haben, benutzen es am liebsten.  Das Gefühl, dass sie wüssten, welche Banalitäten sie von sich geben,  stellt sich nicht ein.  Aber auch hier greift natürlich der Grundsatz: Woher soll ich wissen, was ich …

Seit geraumer Zeit gesellt sich zu diesen sprachlichen Belanglosigkeiten eine Weitere: "Nicht wirklich".  Was sagt uns diese Formulierung?  Ein Beispiel: "Der Huber-Alois hat heute nicht wirklich besser getroffen als ich."  Was soll das bedeuten?  Und ich meine dabei nicht die Nennung des Nachnamens vor dem Vornamen.

icht wirklich", also irgendwie hat der Huber-Alois durchaus besser getroffen, aber bei näherer (und natürlich viel gescheiterer) Betrachtung dann doch nicht?  Oder "wirklich nicht", also hat der Huber-Alois deutlich schlechter getroffen?  Und was wird der Huber-Alois dazu sagen?  Sieht er das genauso – oder wird er einfach und korrekt feststellen, dass er öfter getroffen hat als sein Konkurrent?

Seit diese Formulierung hip ist, geht sie um in der Sportszene.  Sportler und Sportlerinnen benutzen sie genauso gerne wie Kommentatoren und Kommentatorinnen.  Und genauso sinnfrei, sag ich mal.

Ich mag sie nicht.  Wirklich!


Autor: Frank Jermann

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