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Deutscher Journalisten-Verband Gesellschaft für Bild und Vortrag e.V.
 
 

Juni 2006

Wir sind mitten drin in der Vorrunde:  Die "Langweiler" sind angesagt.  Da spielt Argentinien gegen die Niederlande − und es geht um nichts.  Noch schlimmer ist es bei der Partie Elfenbeinküste gegen Serbien/Montenegro:  Die beiden Mannschaften ohne Punktgewinn spielen um die goldene Ananas des Tabellenletzten, ohne Chance, sich für ein Weiterkommen zu qualifizieren.  Einen Ausweg aus diesem unattraktiven System soll dieser Artikel aufzeigen.

Fussball-WM:  Die goldene Ananas

Das Problem

ie Gruppenphase ist langjährige Tradition bei der Fussball-Weltmeisterschaft:  Jeweils vier Mannschaften pro Gruppe spielen zwei Teams aus, die eine Runde weiter kommen.

Die ersten beiden Spieltage dieser Gruppen führen in vielen Fällen dazu, dass sich bereits eine oder zwei Mannschaften qualifiziert haben, während die beiden anderen Mannschaften keine oder kaum noch eine Chance mehr besitzen, in die nächste Runde zu gelangen.  In manchen Fällen besteht noch eine theoretische Chance ― aber diese ist oft so gering, dass sowieso niemand mehr daran glaubt.

Die Folge sind Spiele am dritten Spieltag der Vorrunde, in denen es um die goldene Ananas geht:  Um nichts. 

Abgesehen von den Zuschauern, die in der Regel viel Eintrittgeld für ein solch überflüssiges Geplänkel gezahlt haben, wird auch Sendezeit im Fernsehen "verspielt".  Spiele wie Niederlande gegen Argentinien oder Elfenbeinküste gegen Serbien/Montenegro am 21. Juni 2006 sind überflüssig wie ein Kropf.

Die Lösung

abei existiert ein Spielsystem, das auch auf Vierergruppen basiert ― aber von Beginn an bis zum Ende Spannung garantiert.  Es wird im Bereich des Pétanque-Sports (für viele besser unter der Bezeichnung Boule bekannt) erfolgreich praktiziert, wo alle seine Vorzüge seit Ewigkeiten unter Beweis stellt.  Dieses System wäre ohne Probleme auch im Fussball zu praktizieren ― ich will erläutern, wie es funktioniert.

Wir gehen also von einer Gruppe mit vier Teams aus:





Runde 1

Folgende Spielpaarungen finden am ersten Spieltag statt:

gegen

gegen


Regel:  Es gibt kein Unentschieden, jedes Spiel muss einen Gewinner haben.

Der Einfachheit halber lassen wir die jeweils vorderen Mannschaften gewinnen.  Das ergibt folgende Situation:

Gewinnerteams

 

Verliererteams


Ergebnis Runde 1:

Zwei Mannschaften haben je einen Sieg, zwei Mannschaften haben je eine Niederlage.


Runde 2

Am zweiten Spieltag spielen die bisherigen Gewinner gegeneinander, ebenso die beiden Verlierer:

gegen

gegen

Regel:  Wieder gibt es kein Unentschieden, jedes Spiel muss einen Gewinner haben.

Der Einfachheit halber lassen wir wieder die jeweils vorderen Mannschaften gewinnen.  Das ergibt folgende Situation:

Gewinnerteam

 

Gewinner-/Verliererteams

 

Verliererteam


Ergebnis Runde 2:

Eine Mannschaft hat zwei Siege (Team A).  Sie ist für die nächste Runde qualifiziert. Bei der jetzigen WM wäre das das Achtelfinale.

Eine Mannschaft hat zwei Niederlagen (Team D).  Sie ist ausgeschieden und macht kein Spiel mehr.

Zwei Mannschaften haben je einen Sieg und eine Niederlage (Team B und Team C).  Beide treten in einem Entscheidungsspiel gegeneinander an, um den zweiten Gruppenplatz auszuspielen:


Runde 3


gegen


Der Rest ist einfach, das Siegerteam aus dieser Partie ist für die nächste Runde qualifiziert, das Verliererteam ist ausgeschieden.  Eine weitere Grafik erspare ich Ihnen und mir.

Die Vorteile dieses Systems liegen auf der Hand: 

1. Jedes Spiel birgt Spannung, es gibt keine "Langweiler". 

2. Trotzdem kann eine Mannschaft mit einer Niederlage noch in die nächste Runde kommen − ein "schlechter Tag" führt also nicht automatisch zum Ausscheiden.

3. Spiele ohne Auswirkungen auf das Turnier finden nicht statt.

4. Die dominierende Mannschaft einer Gruppe erlangt den Vorteil, dass sie kein drittes Spiel machen muss.  Das ist einerseits eine Belohnung für zwei Siege in Folge, andererseits unterbleibt auch die unschöne Auswirkung, dass bereits qualifizierte Mannschaften zu einer für sie überflüssigen Partie mit einer B-Mannschaft antreten (um Kräfte zu schonen, gelbe Karten zu vermeiden, etc.) − und somit eine Wettbewerbsverzerrung auftritt.

5. Der dritte Spieltag in den Gruppen birgt in jedem Fall Spannung (im Gegensatz zur momentanen Lösung), denn es ist immer das "Endspiel in der Gruppe" um den letzten freien Platz, der zum Weiterkommen berechtigt.

m Interesse der Zuschauer und um Langweiler wie in den letzten Tagen zu verhindern, sollten sich die Verantwortlichen etwas einfallen lassen.  Nach den diversen Skandalen um verschobene Spiele, die in der letzten Zeit aufgeflogen sind, könnte dieses System zudem eine Manipulation erschweren.  Es geht um Siege, ums Weiterkommen − und der Raum für gekaufte Spiele wird enger.

Hoffentlich hat bei der FIFA jemand ein Einsehen und macht diesem Unsinn der Gruppenspiele, die es seit Jahrzehnten auf allen grossen Turnieren gibt, endlich ein Ende.  Das Poules-System wäre eine geeignete Möglichkeit.


PS.  Natürlich ist mir klar, dass bei einer Fussball-WM der Kommerz im Vordergrund steht.  Ein Spiel weniger pro Gruppe könnte ein Argument gegen das oben vorgeschlagene System sein.  Andererseits kann durch die zusätzliche Spannung des Systems, die es vom ersten Spieltag an bereitet, die Begeisterung weiter geschürt werden.  Das wäre sicher im Sinne der geschäftlichen Aktivitäten der "Macher" einer solchen Veranstaltung.  Und wenn es gar nicht ohne das zusätzliche Spiel geht, kann man die WM ja auf 64 teilnehmende Mannschaften aufstocken.

Dann könnten noch mehr Fähnchen verkauft werden ... ;)


Autor: Frank Jermann

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