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olche
Momente bleiben haften und machen eine Reise aus: Gerade mal
zwei Kilometer nach dem späten Morgenkaffee das Auto abstellen, um
in einer kleinen Sommerfrische den Tag zu teilen. Das
unauffällige Restaurant verkündet seine Existenz ohne neonschillernde
oder bunte Aufregung. Um Aufmerksamkeit wirbt mit weit
mehr Erfolg eine schattige, baumbestandene Terrasse. Die Plastik-Gartenmöbel sind
natürlich auch hier so geschmacklos wie überall sonst, entziehen
sich allerdings durch ihre Omnipräsenz auf den Terrassen dieser
Erde fast einer sachgerechten Bewertung. Aber nur fast ...
In Puy St. Martin
findet man kein
Restaurant mit den bunten
Schildern der Guide Michelins: Die Welt der selbsternannten
Feinschmecker ist hier noch nicht eingezogen — oder zumindest
weit genug weg. Die Entfernungstafeln an den Wänden der
steinigen Häuser sind noch wunderbar
alt, hellblau und mit kryptischen Hinweisen versehen: DRÔME
CHIND'INTRTCUN
NO
7 heisst es dort und Manas ist 3K200
entfernt. Natürlich nach links.
ie Begrüssung
in dem kleinen Restaurant ist auffällig: Es beeindruckt eine
offene Freundlichkeit, ein Lächeln blitzt auf bei dem jungen
Mann und er erreicht, dass ich mich wohl fühle. Die Auswahl
ist schnell getroffen, das Mittagsgericht bietet genau das
Richtige für einen Sommertag. Ein Buffett als Vorspeise
verspricht keinen geminzten Fenchel an passierter Anchovissosse, sondern eine handfeste Auswahl aus kleinen
Salaten, Oliven, Eiern, Wurst und anderen eher deftigen
Speisen.
Als Hauptgericht wird eine gute Portion Ratatouille mit
Rindfleisch und Pommes Frites gereicht, dazu ein Viertel Rosé.
Etwas Eis oder Kuchen als Dessert — und am Ende wird das abgerechnet mit 10 Euro pro Person.
 ein, das Essen ist
kein kulinarischer Höhepunkt einer
Reise zur und durch die Provençe. Aber es macht glücklicher, als so manches
mickrige Menü zu 30 Euro unter den bunten Schildern der
Verkoster von Michelin, Routard, Pudlo und wie sie sonst noch
aufdringlich von den Eingangstüren prangen. Dort traut sich
ein verbeulter alter R4 aber auch nicht so keck und charmant vor
die Tür. Ein gutes Zeichen ...
Der ehrliche und einfache offene Rosé vermittelt nicht den fahlen
Nachgeschmack so mancher Restaurants, bei denen es für einen
Schluck Wein notwendig ist, mindestens weitere 15 Euro in eine
mickrige Demi Bouteille zu investieren. Ein offener regionaler Wein ist
wohl nicht gut für den Umsatz — oft wird er deshalb vielerorts nicht mehr angeboten.
Gemächlich
ging es nach dieser glücklichen Einkehr weiter und die nahen Lavendelfelder
liessen mehr
Touristen, mehr Kommerz und mehr aufgesetzten Hochglanz ahnen:
Bei weitem nicht alles hat sich in den letzten 15 Jahren zum
Besseren gewendet im süd-östlichen Frankreich. Es ist an
vielen Stellen glatter geworden und hat sich nach Ansicht der
Macher — und vermutlich auch vieler Touristen — bestimmt
ausgezeichnet den
Anforderungen an "modernes Reisen" angepasst. Es wurde also
wenig gewonnen und viel verloren.
ie
anderthalb Stunden unter den Bäumen im Garten aber — gleich
neben dem unspektakulären Platz mit Kirche und beuligem
R4 — diese anderthalb Stunden werden mir in Erinnerung bleiben als etwas, was es auf dieser
Reise durch Südfrankreich nicht oft gab: Ein Essen ohne
Allüren.
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