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Schlange war lang und ich hatte genügend Zeit, die Damen zu
beobachten: Immigration Officers am Flughafen Vancouver,
Kanada. Die schusssichere Weste über der Uniform war nicht
kleidsam, passte aber bestimmt gut zu der bestimmt vorhandenen
Schusswaffe. Das Land muss schliesslich verteidigt
werden − da können modische Belange schon mal zurückstehen.
Ein Teil der Verteidigungsstrategie ist
Langsamkeit: Minutenlange Schwätzchen zwischen den Damen
trugen nicht zur zügigen Abfertigung der Massen bei. Aber wer traut sich
schon zu maulen, wenn der Prozess der Einreiseformalitäten im
schlimmsten Fall mit einer Abweisung enden kann?
Dass Menschen aus anderen Erdteilen nach
langen Flügen erschöpft und müde waren, dürfte in der
Strategie der Einreisebehörden durchaus eine Rolle spielen − aber keine
"kunden"-freundliche. Wer müde ist, macht
möglicherweise eher Fehler bei dem
Versuch, illegal oder als bombenlegender Terrorist in das Land
einzureisen.
rgendwann war auch ich an der Reihe, setzte
mein verbindlichstes Lächeln auf, stellte alle Schalter auf
Freundlichkeit und Verständnis: "Kooperation" ist das
Zauberwort! Nennen wir die auf mich wartende Dame
Cathy: Sie war vielleicht Mitte dreissig, hatte einen
strengen Zopf und wohl ihr Lächeln verlegt.
Den Zweck der Reise nennen, das Rückflugticket
vorzeigen − alles Standard. Dachte ich. Eine Flugroute
Frankfurt, Vancouver, Los Angeles, New York, Frankfurt macht
stutzig, oder? Noch dazu, wenn der Reisende Fotograf ist:
"So you're a photographer − what do you do?",
fragte Cathy. Jetzt bloss keinen Fehler machen, eine nicht-komplexe, einleuchtende
Antwort musste es sein.
"Taking pictures." Eine Freundin hatte ich
mit dieser Antwort nicht gewonnen. Ab jetzt war alles an mir
verdächtig. Klar, unrasiert und mit einem deutschen Pass passte ich genau in das Raster eines Staatsfeindes. Warum ich ein
Wohnmobil in Kanada anmieten und in Los Angeles zurückgeben
würde, was ich genau mit den Bildern, die ich zu fotografieren
gedachte, anstellen würde − das waren natürlich
wichtige Fragen, um herauszufinden, was für düsteres Unheil
ich dem kanadischen Volk zufügen wollte.
Immer bei der Wahrheit bleiben, dann macht man
keine Fehler. Also erklärte ich Cathy etwas von Reise-Shows, die
ich in Deutschland aufführe − und dass es so etwas meines
Wissens in Kanada nicht gebe, also an dieser Stelle schwierig zu erklären sei.
"So you think we Canadiens are stupid?" Hey,
Cathy, hatte ich das
tatsächlich gesagt? Nach knapp 20 Stunden auf den Beinen macht der
Sprechapparat vielleicht etwas anderes, als das müde Hirn
befiehlt?
Ich stammelte mich letztlich irgendwie aus der
Situation heraus, der strenge und strafende Blick half nicht,
mich willkommen zu fühlen. Was mag die junge Frau abends
daheim denken und fühlen, wenn sie die Grenzen ihres Landes wieder
einmal so energisch verteidigt hat? Ob sich Cathy da wohl
fühlt?
s war eine der schlechteren Erfahrungen bei
der Einreise in die nordamerikanischen Länder. Kein Zweifel:
Es ging auch schon nett zu, manche Immigration Officers hatten
sogar ein Lächeln für mich übrig. Die verzweifelte Suche nach
Widersprüchen in meinen Antworten aber, die hier am Flughafen
von Vancouver natürlich erfolglos blieb − ist
das wirklich eine Methode, die unsere Erde zu einem sichereren
Ort macht?
Entgegen aller Globalisierung führen solche
Methoden zu einer Entfremdung zwischen Menschen und Ländern.
Den hierfür Verantwortlichen spreche ich hiermit mein
Misstrauen aus: Ich bezweifle, dass sie irgendetwas von Menschen oder
Sicherheit verstehen. Es ist zu befürchten, dass sie mehr
Schaden für ihr Land anrichten, als dass sie Gutes tun.
Aber da ahnte ich ja nicht, dass es nur ein
paar Stunden später an der Grenze zu den USA noch schlimmer kommen würde. Dagegen war
Cathy ein Schatz ...
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