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Deutscher Journalisten-Verband Gesellschaft für Bild und Vortrag e.V.
 

März 2005

Shit Happens at the Hilton

 

 

s ist ein Glücksfall, in einem Hotel der Marke Hilton übernachten zu dürfen.  Der Werbespruch It Happens at the Hilton steht auch für: Schönes Ambiente, extra hochflorige Teppiche, zuvorkommenden Service ― und ein Programm zum Sammeln von Punkten (HHonors), mit dem Hilton versucht, die Kunden an sich zu binden.  Ich bin dort stolzes  Mitglied mit einer wunderschönen dunkelblauen Plastikkarte.

Bin ich?  Es hatte bis zum heutigen Tag den Anschein, denn ich wurde regelmässig unter meiner Kundennummer von Hilton angeschrieben.  Die letzte Nachricht erreichte mich am 18. Februar 2005 per eMail und vermittelte mir, wie wichtig und geschätzt ich als Kunde bin.  Um dieses oder jenes zu tun, könne ich mich auf den Webseiten des Unternehmens einloggen und beispielsweise meinen Punktestatus überprüfen.  Prima Sache ― nur als ich diesen gestern überprüfen wollte, kannte mich das System nicht mehr.

 

<Exkurs Beginn>

ch bin tatsächlich Mitglied in diesem erlauchten Kreis und habe diverse Male versucht, meine im Laufe der Jahre gesammelten Punkte über das Internet einzulösen.  Das Problem dabei war bisher allerdings immer, dass die zur Verfügung stehenden Hotels sich nie dort befanden, wo ich hinwollte.

New York?  Ja, gerne, aber ausgerechnet die interessant gelegenen Hotels in Manhattan nehmen nicht am Programm "Wohnen gegen Punkte" teil.  Wenn ich jedoch in Tarrytown, NY übernachten wollte ― das ginge schon ...

Nein, ich wollte nicht in Tarrytown, NY übernachten.  

Eine analoge Geschichte gibt es zu San Francisco.  Und zu Dublin.  Und zu London.  Wieso keimt da der Verdacht, dass dieser Sachverhalt auch für alle anderen Städte zutrifft, die ich im Erdkundeunterricht gelernt habe.  Tarrytown gehörte jedenfalls nicht dazu.

Als Folge habe ich immer nur Punkte gesammelt ― jedoch nie welche ausgegeben.

<Exkurs Ende>

 

m 2. März 2005 jedenfalls konnte ich mich also nicht mehr einloggen.  Eine Anfrage per eMail ergab, dass mein "Konto geschlossen" worden sei.   Mein "letzter Aufenthalt" sei am 9. Dezember 2002 gewesen.  Ob sich der "Aufenthalt" auf ein Hilton Hotel oder deren Webseite bezog, blieb dabei unklar.  Ich wurde jedenfalls darauf hingewiesen, dass die Geschäftsbedingungen eine Schliessung des Kontos zuliessen, wenn ein Mitglied in 12 aufeinander folgenden Monaten keine Punkte gesammelt hat.

Ooops!  Ich war doch im September 2003 im Hilton New York, hatte damals noch 500 Punkte als Bonus bekommen (weil ich brav an irgendeiner Umfrage teilgenommen hatte) ― und das Unternehmen Hilton weiss nichts davon?

OK, auch ab September 2003 sind bis Februar 2005 mehr als 12 Monate vergangen, aber irgendwie ist die Geschichte doch schräg, oder?  Wenn mein Konto geschlossen wurde, wieso werde ich dann immer noch regelmässig unter meiner Kontonummer angeschrieben?  Hätte Hilton HHonors mich nicht vorsorglich auf die Schliessung meines Kontos hinweisen können?  Und was ist mit den von mir gesammelten Punkten geschehen?  Alles verfallen?

 

uf Nachfrage per eMail wurde mir mit dem Unterton des Bedauerns mitgeteilt, dass meine Punkte "leider dem Konto entnommen" wurden.  Ja, wie durfte ich das verstehen:  Entnommen?  Von wem?  Wohin?  Wer hatte die jetzt???

Natürlich war das alles streng im Einklang mit den Geschäftsbestimmungen, auf die extra noch einmal hingewiesen wurde.  Ordnung muss schliesslich sein!

Dass ich im September 2003 noch für das Wohl von Hilton Umsätze getätigt hatte, dass sollte ich bitteschön durch Vorlage einer Rechnung nachweisen, die ich Hilton "zur Einsichtnahme zukommen" lassen möge.  Eine anderthalb Jahre alte Rechnung?  Manchmal werfe ich schon wichtige Dinge weg ― aber wieso sollte ich eine so alte Rechnung noch haben?

 

twas unwillig griff ich zum Telefon.  Ich wurde zum Verfasser der eMails durchgestellt und präsentierte mich ihm durchaus unzufrieden.  Wie erwartet wurden keine zufrieden stellenden Antworten gegeben ― aber die Geschäftsbedingungen mehrfach zitiert.

Man wolle sich allerdings die Sache noch mal genau ansehen.  Ich möge bitte die Daten des Aufenthaltes im Hilton New York übermitteln.  Dass ich das bereits getan hatte, war wohl nicht aufgefallen bei der Lektüre meiner eMail.

Nur die Ruhe bewahren:  Shhh ...   It Happens at the Hilton.

Fortsetzung folgt ...

April 2005

inen Monat später ― und ich bin wieder drin!  Mein Account war wieder angelegt.  Der Kontostand meiner gesammelten Punkte war auf 0 gesetzt.  Na, immerhin konnte ich meine eMail-Adresse aktualisieren.  Das ist doch schon mal etwas.  Vielleicht bekomme ich jetzt wieder Werbemails von Hilton?

Auch kam "wie gewünscht" per Post eine nagelneue dunkelblaue Plastikkarte des Punkteprogramms von Hilton bei mir an.  Nicht, dass ich um eine gebeten hätte (denn die alte Karte besitze ich ja noch), aber immerhin wird mir so wiederum attestiert, dass ich Mitglied seit 1999 bin.  Gut so ...

o werde ich also nochmals bei Hilton nachfragen, wo meine gesammelten Punkte geblieben sind – um dann vielleicht irgendwann einmal in ferner Zukunft damit ein Hotelzimmer in einem Ort zu buchen, an den ich nicht will.  Vielleicht entwickele ich ja eines Tages doch noch eine brennende Leidenschaft für Tarrytown, NY?

Leider nochmals: Fortsetzung folgt ...

August 2005

unmehr sind vier weitere Monate vergangen.  Neben einer erneuten Anfrage durch mich und dem obligatorische Hinweis auf die Geschäftsbestimmungen seitens Hilton kam nicht viel mehr heraus.  Immerhin sollte meine Anfrage "erneut an den Vorgesetzten" weitergeleitet werden.

Etwas verzweifelt fragte ich noch einmal vorsichtig nach, wieso Hilton so lange Bearbeitungszeiten für die Prüfung einer doch recht einfachen Frage habe.  Um auch gleich die Idee der Information der Vorgesetzten aufzugreifen, setzte ich Jürgen Fischer,  President Hilton International Continental Europe & Africa, mit auf cc:

 

iesmal dauerte es bis zur Antwort keine 24 Stunden — und siehe da:  Keine bockeligen Hinweise auf Geschäftsbestimmungen mehr, sondern plötzlich ein freundliches Schreiben des vorher wenig kooperativen Mitarbeiters, in dem er mir die Gutschrift der gelöschten Punkte mitteilt.  Allerdings sei das nur eine Ausnahme.

Auch wurde nunmehr die "Zeitfrist für die Bearbeitung von Kundenanfragen" als "nicht akzeptabel" eingestuft und "ausserordentlich bedauert".  Zudem teilte der plötzlich erkennbar hilfsbereite Mitarbeiter erfreut mit, dass er "als Entschädigung für die von mir gemachten Erfahrungen" eine Gutschrift von 3.000 Punkten "durchgesetzt" hätte.  Ich könne das online überprüfen.

Gelesen, getan, für richtig befunden — nach fünfeinhalb Monaten.

Tarrytown, ich komme!

 


Autor: Frank Jermann

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