|
at
Robertson ist ein Fernsehprediger in den USA — und war dieser
Tage als
windiger Zeitgenosse neben dem Wirbelsturm Katrina ebenfalls in den Schlagzeilen. Am
Montag, den 22. August 2005, hat er in seiner Sendung The
700 Club dazu aufgerufen, Hugo Chávez, den Präsidenten
Venezuelas zu ermorden: "Wenn er denkt, dass wir versuchen,
ihn zu ermorden, dann meine ich, wir sollten es wirklich tun."
Auf seiner Webseite hat sich der ehrenwerte Seelsorger
mittlerweile entschuldigt. Er rudert damit zwar etwas zurück,
aber ein Blick auf die Person und die radikale, fanatische
und geldgierige Predigerszene in den USA lässt mich zweifeln, ob er das nicht
mehr aufgrund äusserer Zwänge durch einflussreiche Leute als aus Überzeugung getan hat.
er
Republikaner Robertson versuchte 1988 Präsident der
Vereinigten Staaten zu werden, konnte sich aber in den
republikanischen Vorwahlen gegen den späteren Präsidenten
George Bush senior nicht durchsetzen. Gott sei Dank, mag
da der Eine oder die Andere denken, denn gegen den ehrenwerten
Herrn Robertson war Bush senior ein strammer Linker.
In religiösen Fragen ist Robertson sicher eine
bestechende Kompetenz. So können wir von ihm auf seinen
Webseiten lernen, wie schlecht nicht-christliche Religionen
sind — und hierbei insbesondere Muslims. Die Wahl von
Herrn Ratzinger zum Papst findet seinen Gefallen, denn
Benedikt XVI. habe einen Schwerpunkt auf "moralischem
Relativismus, der in hervorragender Klarheit für die Kultur
Europas und Amerikas spreche". Es ist zu vermuten, dass
Herr Robertson in der Schule gefehlt hat, nachdem das Europa
des Mittelalters samt Inquisition und Hexenverbrennungen
abgehandelt war, denn was danach kam, dürfte ihm vermutlich
nicht mehr gefallen haben. Weiss er, dass es in Europa heute
überwiegend liberal zugeht?
b
Pat Robertson seinen Gott auch für die 88er Wahlniederlage
gegen Bush senior
verantwortlich macht, ist nicht bekannt. Nach der Logik des
Seelenhüters hätte doch wohl nur er Präsident werden dürfen, denn schliesslich steht er für alles Gute und Göttliche auf dieser
Erde: Pro-Life, Anti-Abtreibung, keine Trennung zwischen
Kirche und Staat (ich nehme an, er meint damit exklusiv seine
Kirche), Schulgebete — kurzum: Das ganze Spektrum an rückwärts
gerichteter Vision.
Die Erklärung, warum es zu den Attacken des 11. September kam,
fällt einem Pat Robertson in seiner göttlichen Einfalt
natürlich auch leicht: Weil es so unchristlich zugehe in seinem
Land, habe sich Gott abgewendet — so die scharfsinnige
Analyse.
s
ist somit zu vermuten, dass Robertson auch in dem verheerenden Wirbelsturm Katrina
eine weitere Ächtung seines Landes durch Gott sieht. Ich
warte stündlich auf seine Erklärung, dass wieder mehr gebetet
werden, Abtreibungen verboten, fremde
Religionen unterdrückt, Liberale vertrieben und Leute wie ich
am besten nicht mehr ins Land gelassen werden sollten.
Nach einer solchen moralischen Renaissance blieben bestimmt
zukünftige Katastrophen aus. Gut also, dass Präsident Bush
— anstatt für wirksame Hilfsmassnahmen für die Opfer des
Wirbelsturms zu sorgen — erst mal einen Tag des Gebets ausgerufen hat.
Einen Tag beten reicht zwar bei weitem noch nicht für ein krisenfreies
Land — aber es ist immerhin ein Anfang.
enn
die Robertsons dieser Welt abends mit den Händen auf der
Bettdecke einschlafen, zweifeln sie dann manchmal?
Ziehen sie es überhaupt in Betracht, dass Gott, so sie
existiert, mit dieser Katastrophe dem amerikanischen Volk
mitteilen möchte, dass sie sich durchaus von ihm abgewendet hat
— aber Gott die Gründe dafür ganz wo anders sieht?
Vielleicht
missfällt es Gott, dass die
USA ganz und gar gottlos und unchristlich Länder überfallen,
die ihrem gottesfürchtigen Präsidenten und seinen Ölkumpanen
nicht behagen? Oder vielleicht ist Gott —
immer noch ihre Existenz angenommen — auch nicht begeistert,
dass die Robertsons und Bushs dieser Erde sie einfach so vereinnahmen?
n ganz
lichten Momenten — so vermute ich —
hat Herr Robertson einen stillen Augenblick des Zweifels: Er
ahnt, dass Katrina einfach eine
Naturerscheinung war — eventuell ausgelöst durch das extremer
werdende Klima auf unserem Planeten? Wozu sein Land mit einer zügellosen Energiepolitik und dem höchsten Energieverbrauch pro Kopf auf dieser Erde einen nicht
unbeträchtlichen Teil beiträgt ...
Aber
mit einer solchen Ansicht lässt sich bestimmt kein Geld
verdienen, nicht wahr, Herr Robertson?
God bless America. Die haben's wirklich
nötig.
|