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eute
war es wieder so weit: Mein bevorzugter Supermarkt bot das
erste Weihnachtssortiment an. Oder besser formuliert: Heute
ist es mir zum ersten Mal in diesem Jahr aufgefallen. Es ist anzunehmen, dass
schon im August irgendwo ein paar Pfeffernüsse in den Regalen
lagen. Der Sommer ist offiziell gerade ein paar Tage vorbei,
da möchte die Lebensmittelindustrie, dass ich bei Lebkuchen
und Plätzchen schon in weihnachtliche Kaufstimmung kommen soll.
Nun ist das nichts Neues, denn bereits seit
Jahren habe ich den Eindruck, als wenn sich Ostern und
Weihnachten immer mehr überschneiden. Wir sind daran
gewöhnt, es fällt kaum noch auf. Ist es richtig, wenn wir einfach darüber hinwegsehen,
es hinnehmen, es einfach ignorieren? Nein, meine ich, das
reicht nicht aus. Wir sollten die schwitzenden Dominosteine
befreien, den Schokoladen-Weihnachtsmännern aus den Mänteln
helfen. Freiheit für die Lebkuchen. Kampf der "Feiertag-ist-immer"-Mafia!
Aber wir tun genau das Gegenteil, machen uns zu Kumpanen
derer, die lieb gewonnene Bräuche und Sitten zum eigenen
Nutzen ad absurdum führen: Wir machen mit! Wenn es keine
Abnehmer gäbe für Dominosteine bei 25° Celsius und für Nougateier
kurz nach den Heiligen Drei Königen, dann gäbe es auch kein
diesbezügliches Angebot. Wir kaufen es Ihnen aber ab!
ie
entscheidende Frage ist wie so oft: Qui bono — wem nützt
dieser Unsinn? Die Profiteure sind die Bahlsens und die
Nestlés dieser Welt. Es kann nicht in deren Sinn sein, dass
Weihnachtshasen erst in den geruhsameren, dunkleren Tagen ab
dem 1. Advent verzehrt werden, denn es gibt einen Zusammenhang
zwischen Verzehrmenge und zur Verfügung stehender Zeit. Auch
die Ostermänner können nicht erst am Karfreitag die Regale
besetzen, wenn sie in Masse verzehrt werden sollen.
ch kann nicht
glauben, dass in meiner Kindheit solch
ein Unsinn praktiziert wurde. In meiner vernebelten
Erinnerung stelle ich
mir vor, dass die Menschen damals in den 60ern kopfschüttelnd
an den Versuchungen vorbei gegangen wären. Nicht so heute ...
Aber auch ich bemerke, dass wir nicht mehr in den 60ern
leben — schliesslich hat sich
unsere Gesellschaft ja "weiter" entwickelt: Die Kids
sammeln keine Tierbilder mehr fürs Album, sondern brutale
Ego-Shooter-Software für den PC. "Ich habe gestern Nacht 237
feindliche Ninja-Fighter umgemäht", heisst es heute. "Tauscht
Du den Löwen gegen zwei Elefanten?", war damals das Thema.
Aber Sentimentalitäten
sind nicht mehr angesagt, solange sie uns nicht als "Retro Look" oder
"Vintage" verkauft werden können.
n diesen
Zeiten ist
für und gegen Geld alles zu machen. Genmanipulierte Weihnachtseier werden von Hasen
ohne Fell in Massen-Käfighaltung verspeist. Diese werden danach
in zerkleinerter Form an ihre Artgenossen in
Form von Futtermehl verfüttert. Solange irgend jemand
an solchem Unsinn verdienen kann, wird es gemacht werden.
Aber irgendwann, eines Tages wird jemand auf die unglaubliche Idee kommen,
uns eine stille Weihnachtszeit anzubieten. Gleich
neben der Kasse, in Blickhöhe für uns ältere Erwachsene. Und wir werden
in Erinnerung an vergangene Zeiten auch diese Mogelpackung kaufen — und wenn sie im Mai angeboten
wird.
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